Mobiler Festnetzanschluss - semimobiles oder semistationäres Internet?
Mobile Internetrouter - Router die eine mobile Datenverbindung per Ethernet oder WLAN mehreren Geräten zur Verfügung stellen - habe ich in der Vergangenheit bereits mehrere getestet oder Reviews geschrieben (Linksys WRT54G3G, Conel UR5, Siemens ER75 EDGE Router, XSBox R1 von 4G Systems, Sunrise surf&talk). Die Geräte können praktisch für den Einsatz in den Ferien oder im Auto sowie natürlich für Spezialanwendungen sein. In der Vergangenheit hat Sunrise ein Angebot mit Namen surf'n'talk eingeführt (und in der Zwischenzeit nicht mehr im Angebot), seit kurzem ist nun ein ähnliches Angebot von Orange, die Flybox mit dem Orange Home Pack Preisplan, verfügbar. Als Besonderheit routet die Flybox nicht nur Internetverkehr, sondern es lässt sich ein herkömmliches Festnetztelefon anschliessen und abgehende Gespräche können (über das Mobilnetz) zum Festnetztarif geführt werden.
Bilder - Testgerät von Orange
Ich habe von Orange verdankenswerterweise ein Testgerät erhalten. Bilder der Flybox sowie zwei Screenshots der Administrations-Schnittstelle gibt es ganz unten bei der Review.
Leistungsdaten
Die Orange Flybox ist ein Huawei HSDPA Modem (bis 3.6 Mbit/s) welches auch UMTS, EDGE oder GPRS spricht und die Internetverbindung über das Mobilnetz lokalen Clients per WLAN zur Verfügung stellt und einen analogen Telefonanschluss zur Verfügung steht. Nach Einsetzen der SIM-Karte von Orange muss der Strom angeschlossen werden, 4 Statusleuchten auf der Frontseite zeigen den Betriebszustand (Strom, Mobilnetz, WLAN, Internet) und ein Ein- und Ausschalter sitzt ebenfalls auf der Frontseite. Auf der Seite besitzt die Flybox vier RJ45 Ethernetports, einen RJ-11 Telefonanschluss (normales PSTN Telefon) sowie den Stromanschluss. SMS kann die Flybox nicht.
Flybox im Einsatz
Die Inbetriebnahme war wirklich einfach und schnell erledigt: SIM-Karte rein, Strom ran, Laptop aufklappen, SSID der Flybox wählen, WPA-Key eingeben. Am Kompliziertesten war die Eingabe des langen WPA Schlüssels um der voreingestellten WLAN Verschlüsselung gerecht zu werden - der WPA Key befindet sich hinten auf der Flybox auf einem Aufkleber, was aber im kurzen Handbuch gut dokumentiert ist. Danach per 192.168.1.1 die Webschnittstelle der Flybox aufrufen, per "admin" einloggen und den "PIN" eingeben. Auf Wunsch können dann weitere Einstellungen getätigt werden, bis hin zu Routing- und Remoteadmin Funktionen (remote Administration geht mit den Standardmässig zugeteilten 10er IP's nicht). Nach diesen Schritten steht dem Surfen nichts mehr im Wege. An einem Standort gab es leider nur GPRS was dann doch sehr langsam war - E-Mail Abruf und Skype Chat klappte aber problemlos, die Zeit drängt ja nicht, da die Kosten pro Tag Nutzung anfallen. An andere Teststandorten stand HSDPA zur Verfügung und beim Mailabruf, Skype und normalen Surfen war soweit nicht anmerkbar, dass man über das Mobilnetz im Internet ist.
Tarife und Preise Orange Flybox mit Orange Home Pack
Was kostet die Flybox? Orange gibt aktuell folgende Preisangaben (Stand August 2008) für den mit der Flybox verbundenen Preisplan "Orange Home Pack":
- Monatsgebühr 19.- CHF
- Flybox Kaufpreis 1.- CHF
- 1.- CHF pro Tag Internetnutzung mit max. 3.6Mbit/s Downstream und 384kbit/s Upstream
- SIM-Karte gratis
- Laufzeit Vertrag mind. 12 Monate, nur Privatkunden
- Telefontarife Festnetz Inland: 0.069.-/Min bzw. 0.035/Min Niedertarif
- Telefontarife Handy alle Netze Inland: 0.35.-/Min
- 0.035.- Festnetz Verbindungsaufbaugebühr, 0.10.- Mobilnetze Verbindungsaufbaugebühr
- Kein Roaming, nur Nutzung in der Schweiz
Fazit
Sparen des Festnetzanschlusses und nur für das Surfen im Internet bezahlen wenn man es auch wirklich nutzt - das alles geht mit der Orange Flybox und Preisplan Orange Homepack auf. Selbst bei täglicher Internetnutzung fallen pro Monat nie mehr als 50.- CHF an (plus allfällige Telefongebühren), was dann zwar ADSL-Kosten entspricht, welche aber wiederum nicht entfallen, wenn man ADSL nicht nutzt - anders die Flybox, bei Nichtnutzung fallen nur die 19.- CHF pro Monat Grundgebühren an. Ein faires Angebot - mit 14 Tagen Rückgaberecht.
Zwei Dinge sind wichtig zu wissen: Bei stationärem Einsatz rechnet sich das Angebot nur, wenn Orange HSDPA Abdeckung vorhanden ist (Abdeckung online prüfen), anderenfalls surft man per GPRS (kein EDGE) was dann doch sehr langsam ist. Ferner lohnt sich ein Blick auf die AGB: Dauerverbindungen, zu grosse (Video-)gestreamte Datenmengen, Peer to Peer, etc. können eine Abkündigung des Preisplans von Seiten Orangen mit sich bringen. Das ist m.E. jedoch fair, denn je mehr Nutzer sich innerhalb der gleichen Abdeckung HSDPA teilen, teilen sich auch die Bandbreite und Performance des Netzes.
Zu guter letzt: Wer ist die Zielgruppe? Idealfall ständiger Wohnsitz an einem schönen Ort wo es kein ADSL oder Cable sowie Festnetz gibt aber dafür HSDPA von Orange - oder Einsatz im Auto als günstiges Autotelefon und Hotspot unterwegs. Das dürften beides jedoch zahlenmässig "Randgruppen" sein. Die Lösung und der Preisplan von Orange ist innovativ und fair, jedoch: Wer gut vernetzt ist, hat ADSL oder Cable zu Hause. Wer kein Festnetz hat, hat ein Handy. Ob nur der tiefe Minutenpreis zum Kauf und den zusätzlichen 19.- Monatsgebühr reicht, bleibt fraglich - lässt sich doch mit den Prepaid oder Tagesweisen Internetoptionen per USB-Stick auch sehr günstig Internet über das Mobilnetz nutzen.
Links und weitere Infos
Bildstrecke und Screenshots






26.08.2008, Providerliste Admin
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